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Bitterkalt, in jeder Beziehung !!
Hansa Rostock - Fortuna 95 2:1 (1:0)
DKB-Arena
Zuschauer: 13.000
Tore:
1:0 Bülow 13.
1:1 Harnik 49.
2:1 Schlitte 78
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Dieser Spiel- und Reisebericht mag unter dem Eindruck des Erlebten u.U. ein wenig heftig erscheinen. Die Fahrt nach Rostock war in jeder Hinsicht ein Highlight, im Positiven, wie auch im Negativen. Angefangen hat
alles um 0.30 Uhr, als wir 3 uns auf den Weg zum Ohligser Bahnhof machten. Dick eingepackt marschierten wir durch den Schnee Richtung Bahnhof. Dort fuhr um 1.13 Uhr die S-Bahn nach Düsseldorf, wo wir dann leider 59
Minuten auf den IC 2020 warten mussten, der uns nach Hamburg bringen sollte. Im Bahnhof war ich dann erstmal überrascht, das sich sehr viele Schlacker Fans in Düsseldorf aufhalten, bzw. zumindestens den Düsseldorfer
Hauptbahnhof zum umsteigen nutzten. Obwohl sich der Gazprom-Verein nach dem 1:0-Heimsieg auf dem ersten Platz der Bundesliga befand, hatten ein paar dieser vollgetrunkenen Schalke-Volltrottel nichts Besseres zu tun,
als gegen Schilder zu treten, andere Menschen anzupöbeln und zu beleidigen und ihren Müll durch die gegend zu schmeissen. Wäre das nicht wenigstens zu bemängeln, so machte es mich betroffen, das die anwesende
Polizei im Rahmen der Deeskalation die hohlen Fritten gewähren liessen. Interessant deswegen, wenn man manchmal die überzogene Reaktion der Polizei in anderen Situationen sieht. So waren wir froh, als unser Zug
endlich auf Gleis 16 eintrudelte und wir uns es im Abteil gemütlich machen konnten. Hier hatten wir die Gelegenheit bis kurz vor 7 Uhr ein wenig zu schlafen.
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Kalt, aber irgendwie auch ein wenig romantisch zeigte sich der Hamburger Hauptbahnhof. Hier wärmten wir uns noch ein wenig auf, ehe wir in unseren nächsten Zug umstiegen, der uns nach Rostock bringen sollte.
Gleichzeitig war dieser Abschnitt auch Teil 2, den wir zum Schlafen nutzten. Zu dieser Zeit hatten wir erst 5 Fortunafans unterwegs getroffen, so daß ich die avisierten 1.200 Fans nicht mehr glauben wollte. Zumal
bei den Wetterkapriolen eine zu enge Planung auch Probleme bereiten kann. Ich erinnerte mich an die Fahrt nach Kiel, bei der viele Fortunen aufgrund des Schnee-Einbruchs erst während der Partie ankamen. Heute war es
aber “nur” kalt, aber es schien die Sonne. So sind wir dann gegen 10.20 Uhr in Rostock am Hauptbahnhof angekommen.
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Zu den positiven Seiten dieser Reise gehörte sicher der Weihnachtsmarkt, der sich über die gesamte Innenstadt von Rostock zog und im Gegensatz zu einigen hier überwiegend auch weihnachtliche Hintergründe hatte. So
trabten wir durch Rostock in Richtung DKB-Arena, wo wir dann gegen 12.30 Uhr ankamen. Dieses Stadion kannte ich in dieser Form noch nicht, bisher habe ich die Spiele der Fortuna in den 90er-Jahren im altehrwürdigen
Ostseestadion gesehen. Von diesem sind bei der ersten Betrachtung nur die Flutlichtmasten und der Eingangsbereich zur Strasse hin mit den alten Kassen übrig geblieben. Zumal wir beim letzten Auftritt der Fortuna bei
Hansa Rostock noch mit dem Fanbus direkt an den Gästeblock gefahren wurden. Diesmal hatte ich für uns 3 Haupttribünenkarten besorgt um “neutral” sitzen zu können und um vor Allem ein wenig Ruhe zu haben.
Zumal wir uns sehr dezent mit Fortunadevotionalien geschmückt hatten. Meine Kinder waren gänzlich neutral unterwegs, meine Wenigkeit hatte nur die 2 Fortunalogos auf den Handschuhen, die bei diesen Temperaturen auch
bitter notwendig waren. Aber nicht nur das Wetter war frostig, auch das Verhalten einiger (nicht aller) Rostocker uns gegenüber. Fragte man in der Innenstadt noch höflich nach dem Weg, so bekamen wir dumme Sprüche
zu hören, von wegen Wessi und so.
Ich lasse mir alleine aufgrund meiner fast 3 Jahre, die ich im Erzgebirge gelebt habe, sicher nicht vorwerfen, Vorbehalte gegenüber den Neuen Bundesländern zu haben, aber heute wurde meine unerschütterliche
Sympathie gegenüber dem Osten Deutschlands wieder arg strapaziert. Leider gab es natürlich im Stadion wieder einige Blitzbirnen, die nicht inne halten konnten und uns beschimpften. Leider persönlich. So habe
ich nichts gegen die üblichen Schmährufe gegenüber dem Gästeteam und den Gästefans im Ganzen. Das ist üblich. Aber leider wurde es auch persönlich ungemütlich. Die Sprüche: .. Macht Euch von der Tribüne in den
Westen .. , .. haut ab, Ihr Scheiss Wessis .. , .. mit eurem Geld könnt ihr euch nicht alles kaufen scheiss Wessis .. waren nur ein Teil aus dem Repertoire der Hansafans in Block 32. Und natürlich der Gesang in die
Richtung Scheiss Wessis aus dem Fanblock der Nord, nein der Ostdeutschen.
Ich möchte nicht in das gleiche Horn stossen, aber was das mit Deutscher Einheit zu tun hat, entzieht sich gänzlich meiner Vorstellungskraft.
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Bevor das Spiel aber losging und ich mich an die Schmährufe gewöhnt hatte, bekam ich einen kleinen Kulturschock. Bei der Betrachtung des Rasens erinnerte ich mich an Bilder von Spielen aus den 50er Jahren des
letzten Jahrhunderts. In meiner Sammlung habe ich Photos von Spielen, die auf ähnlichem Geläuf gespielt wurden. Auch zu Beginn der 80er Jahre habe ich noch Spiele im Schnee im alten Rheinstadion erlebt. Aber da gab
es noch keine Rasenheizung !!
Und diese soll ja angeblich in Rostock existent sein. Ob es wahr ist, das der Heimverein am Vorabend bekannt gab, das diese defekt sein soll, kann ich nicht sagen. Aber ein fader Beigeschmack an der Ansetzung
dieses Spiels bleibt für mich. Woanders werden solche Spiele abgesagt und das rechtzeitig bevor die Gegner und deren Fans anreisen. Herr Perl war der Ansicht, das dieses Glücksspiel Sinn macht. Natürlich hatten
beide Mannschaften unter diesen Bedingungen zu leiden. Aber ich bin der Überzeugung das die Fortuna aufgrund ihrer Spielweise eher benachteiligt war. Die Niederlage wiederum war verdient, weil die Ostseekicker
kämpferisch eine Schippe mehr drauf hatten, was nicht heisst unsere hätten dies nicht getan. Aber das Quentchen zum Sieg fehlte diesmal. Dies ändert nichts daran, das ich der Mannschaft und dem Verein dankbar bin,
was sich seit Mai alles entwickelt hat. Und das wir heute nach der Hinrunde immer noch auf Platz 4 stehend die Tabelle von oben anschauen ist einfach phantastisch.
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Zum Stadion ist zu sagen, das diese Arena im Fernsehen besser wegkommt, als wenn man sie sich live anschaut. Hier würde ich sagen, das das Niveau gegenüber den Prachtbauten der DDR-Geschichte zwar gestiegen ist,
aber ansonsten ist es eher lieblos und kalt dahergekommen. Natürlich können sich das Land MV und die Stadt Rostock bei der wirtschaftlichen Situation nicht erlauben Hunderte von Millionen hinzublättern, aber ein
wenig mehr Charme hätte schon gut getan. Und das Personal hat vermutlich beim Fach “Freundlichkeit” gefehlt. Als sich meine 10-jährige auf dem Weg Richtung WC versehentlich in den Gang zum VIP-Raum
bewegte, wurde ihr schroff in unfreundlicher Weise der Weg nach draussen gezeigt. Vermutlich war der Türsteher vorher zu DDR-Zeiten noch in einer grösseren Firma mit dem Namen Horch & Guck beschäftigt. Traurig,
traurig. Passte aber irgendwie in das Gesamtbild vor Ort.
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Zum Spiel:
Von Beginn an waren die Gastgeber das Team, welches sofort die Initiative an sich riss. So kam es trotz der sehr schwierigen (und gewollten ?) Bedingungen zum frühen Führungstor, als die Fortuna einen Ball nicht
aus dem Strafraum bekam und Bülow technisch hochwertig den Ball unten links versenkte. Danach kam die Fortuna zwar etwas besser ins Spiel, ohne aber dabei Gefahr vor dem Tor der Rostocker herauf zu beschwören.
Direkt nach der Pause wurde es dann besser. Harnik traf von halbrechts flach ins Tor und so schien es, das für beide Mannschaften das Spiel wieder von vorne beginnt. Aber nur zeitweise gelang es der Fortuna die
Unsicherheiten der Heimmannschaft auszunutzen. Für weitere Großchancen reichte es nicht. Dagegen gelang es Hansa Rostock zur Mitte der zweiten Hälfte wieder das Spiel mehr an sich zu reissen. Und so fiel nach einer
Fehlerkette in der Fortunaabwehr das 2:1, bei dem aber sicher auch die Platzbedingungen ihren Teil dazugetan haben. Die Schlussoffensive kam zwar, war aber bei den Bedingungen nicht einfach. Und so bleib es bis zum
Ende beim leicht verdienten Sieg von Hansa Rostock, versehen mit dem faden Beigeschmack bezüglich der Bespielbarkeit des Platzes.
Für uns ging es dann wieder Richtung Bahnhof, das 90 Minuten später bereits die Rückfahrt beginnen sollte. Im Bahnhof wärmten wir uns dann noch ein wenig auf, ehe um 16.37 Uhr die Rückfahrt begann. Um vorher noch
mehrfach dieses Graffiti auf dem Weg zum Bahnhof lesen zu müssen:
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Ja, es scheint so zu sein, das man dem Westen vereinzelt negativ gegenüber steht. Ich, der jahrelang dort gelebt hat, bekommt langsam auch so meine Zweifel, was die deutsche Einheit betrifft. Immer öfters zeigt
sich, das man trotz aller Bemühungen anscheinend auch 20 Jahre nach dem Mauerfall nicht so gut zusammenleben kann, wie man sich das ursprünglich erhofft hat. Und im Bahnhof gingen die Schmährufe gen Fortuna und
deren Fans weiter. Dazu noch ein paar rassistische Sprüche im Beisein der Polizei und schon wollte ich weg aus dieser an sich sehr schönen Stadt. Wenn selbst die Polizei bei Rassismus nicht einschreitet, ist es
mit der Ordnung vor Ort sicher nicht mehr sehr weit hergekommen. Aber egal. Über Schwerin und viele kleine Ore fuhr der Hanse-Express uns wieder nach Hamburg, wo wir gerade mal 4 Minuten hatten um umzusteigen in den
ICE nach Dortmund. Von dort aus fuhr uns dann die S1 direkt zurück nach Solingen. Hier noch ein paar Bilder vom Spiel und von hier und dort auf der Reise, inkl. einem Bild eines Hauses, welches vor 18 Jahren im
gleichen Zustand schon am Stadion stand. Nun, wenn selbst der böse Westen mit dem vielen Geld nicht ausreichend helfen kann ....... !
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Entschuldigt die harschen Worte, aber mir macht es langsam keinen Spass mehr, mich und vor Allem die Kinder vor Ort immer anmotzen zu lassen. Wir können nichts für die Vergangenheit der DDR, wir haben auch nicht
gebrüllt: Die Mauer muss weg. Ich bemühe mich nur seit Jahren meinen Kindern zu erzählen, das die Einheit toll für unser Land ist und dann muss ich ihnen nach solchen Reisen immer erklären, warum wir so angemacht
werden.
Dresden, Leipzig, Cottbus, Zwickau und Magdeburg und nun seit heute auch Rostock. Fussball und deutsche Einheit, das passt nicht, auch wenn uns der DFB sagen will, es gäbe keine atmosphärischen Störungen zwischen
Ost- und Westfans. Schade darum, den viele, viele normale Menschen in unserem Lande haben die Einheit geschafft. Oder schmort da noch viel mehr Unfrieden in ostdeutschen Köpfen, die nur beim Fussball offenbart wird.
Ich hoffe es nicht.
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