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Willy Becker, ein Fortune seit Beginn der Fortuna.
Der ein oder andere wird jetzt fragen, wer dieser Willy Becker war. Was hat er Besonderes für die Fortuna geleistet und wie komme ich überhaupt auf ihn. Da ich mir in den kalten Wintermonaten vorgenommen habe,
neben den Fortunaspielen auch in der Vereinshistorie zu forschen bin ich bei meinem Sammeldrang an diese wirklich schöne Urkunde aus dem Jahre 1920 gekommen. Am 11.12.1920 ernannte die Fortuna ihren damaligen 1.
Kassierer aufgrund seiner Verdienste um den Verein zum Ehrenmitglied. Die Fortuna existierte noch nicht lange unter ihrem heutigen Namen und das Vereinsemblem, welches wir heute kennen, existierte noch lange nicht.
Willy Becker trat dem Vorgängerverein der Fortuna, dem Fussballklub Spielverein Düsseldorf-Flingern bei. Dies tat er am 02.08.1908. Damit war er Zeit seines Lebens das am längsten im Verein verbliebene ehemalige
aktive Mitglied.
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Dieses gute Stück ist nun das mit Abstand älteste Stück Fortuna, welches ich in meiner Sammlung habe. Zufälle helfen einem manchmal Raritäten zu finden.
Willy Becker gestaltete also in jeder Hinsicht die Vereinsgeschicke, ob als Spieler oder als Offizieller des Vereins. Aufgrund einer Verletzung aus dem ersten Weltkrieg konnte er nicht lange aktiv Fussballspielen
und so widmete er sich dem Verein eben bei vielen Angelegenheiten, die das Vereinsleben auf weitere 100 Jahre beeinflussen sollten. Er wurde am 01.03.1889 geboren und trat wie oben bereits erwähnt im Jahre 1908 in
den Verein ein. Er war massgeblich daran beteiligt, das die Fortuna, wie sie sich jetzt endlich nannte, ein neues Grundstück zur Verfügung gestellt bekam. Und natürlich fehlte bereits damals das, was unsere
Fortuna anscheinend für immer fehlt. Das notwendige Geld war nicht da und selbst die viele Hilfe der Mitglieder reichte nicht aus um einen Sportplatz herzurichten, der den damaligen Ansprüchen gerecht wurde.
Da Willy Becker in der Zwischenzeit zum Schatzmeister der Fortuna aufgestiegen war, kam die Idee auf, über eine Anleihe das notwendige Geld aufzutreiben.
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So legte die Fortuna im Jahre 1919 eine Anleihe auf, insgesamt mit einem Volumen i.H.v. 50.000,-- Mark, aufgeteilt in jeweils 100,-- Mark pro Stück. Verzinst wurde diese Anleihe mit 4 %. Hier rechts zu
sehen eine Ausfertigung dieses Wertpapiers. Zurückgezahlt wurde die Anleihe aufgrund der damaligen wirtschaftlichen Verhältnisse trotzdem, da durch die Inflation dem Verein die Tilgung nicht allzuschwer
fiel. Wäre ja eine Möglichkeit, die Kinoweltschulden heute zu tilgen ;-) !!
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So bekam die Fortuna die notwendigen Gelder zusammen, um sich eine neue Sportanlage zu bauen. Allerdings waren die Bedingungen damals so, wie man es sich heute nicht mehr vorstellen kann. So kamen die
Spieler umgezogen zum Spiel und die Torstangen wurden vor und nach dem Spiel auf- bzw. abgebaut. Die Gesichter der heutigen Spielergeneration möchte ich sehen, wenn man sie darum bitten würde. So dürften nur die
Spieler aufgestellt werden, die seitens der Vereinsversammlung dafür vorgesehen waren. Was heute in den Familienblöcken üblich sein sollte, war damals auf dem Platz nicht selbstverständlich. Das Rauchen auf dem
Platz war ausdrücklich verboten. Die Jerseys mussten längstgestreift sein, die Farben Rot und Weiss waren aber vorgeschrieben. Wenn man sich die heutigen Ausweich- und Auswärtstrikots der Fortuna anschaut, wäre ein
Blick in alte Vereinsstatuten durchaus sinnvoll.
Aber man erkannt unter welchen Bedingungen die Fussballvereine damals gewirkt haben. Und hier hat eben der mir bis dato unbekannte Willy Becker seine ausserordentlichen Verdienste um den Verein erworben. Neben der
Finanzierung der Anlage durch die Anleihe gelang es ihm an der Flinger Schützenwiese ein Grundstück für den Verein bei de Stadt Düsseldorf anzumieten. Auch hier damals wie heute, die Stadt und die Fortuna Hand in
Hand beim Stadion, sei es im Jahre 1919 oder aktuell beim Paul-Janes-Stadion und der Espritarena. Nur gab es damals noch keinen Songcontest in Europa ;-) .
Die Anleihe wurde letztlich nahezu komplett an Vereinsmitglieder verkauft, die die damals ungewöhnliche Finanzierung eines Sportplatzes mitfinanzierten. Letztlich sind die Inhaber aber auf ihrem Geld sitzen
geblieben, da die Inflation der 20er Jahre den Geldwert komplett eliminiert hat.
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Willy Becker (hier ein Bild aus dem Jahre 1967) ging mit gutem Beispiel voran. er erwarb gleich für 600,-- Mark Anteile an dieser Anleihe. Eine ungewöhnliche Geste, denn ursprünglich hatte dieses von
ihm privat gesparte Geld den Sinn, ein neues Bett für sich und seine Gattin zu erwerben. Wie es sich aber für eine vernünftige Frau eines Fortunen geziemt, hat sie nicht widersprochen. So gehörte ihm
schon ein beachtlicher Teil des neu gebauten Sportplatzes der Fortuna.
In den folgenden Jahren begleitete er die Fortuna in offizieller Funktion als Schatzmeister und Kassenwart bis ins Jahr 1932.
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Nachdem er den Abschied von seinem Amt feierte, zog er sich nicht schmollend zurück. Er bleib der Fortuna bis zu seinem Tod verbunden. So sah man ihn immer wieder bei den Spielen aller Fortunamannschaften. Ob der
Fussballer oder der Handballer. Ob Senioren oder Jugendfussball. Er brachte in seinem Leben materielle, zeitliche, persönliche und private Opfer um seinem Verein zu dienen. Das einzige was ich trotz der Durchsicht
der mir vorliegenden Unterlagen (Quellen: Vereinsnachrichten, Düsseldorfer Nachrichten) nicht definitiv herausbekommen habe, ist sein Sterbedatum. Er wäre heute 121 Jahre alt, zu alt um noch zu leben. Aber auch das
werde ich noch herausbekommen.
Auf seiner Urkunde ist auch ein Fortunaemblem, welches mir bis dato unbekannt war. Das heute immer noch benutzte F95 kam erst 1925 heraus, dazwischen gab es ein Emblem mit den 4 F aus der Vergangenheit der Fortuna
als Turnverein (Frisch, fromm, fröhlich, frei). Es zeigt sich, das es immer wieder etwas gibt, was ich von der Fortuna noch nicht wusste und hatte.
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